Tornados in Deutschland: Der Wetterdienst reagiert

Langen - Sie zählen zu den gefährlichsten Wetterphänomen der Erde. Tornados, die ihre rotierenden Rüssel aus Gewitterwolken strecken und am Boden mit ungeheuerlicher Wucht alles aus dem Weg räumen, was ihnen in die Quere kommt. Spätestens seit vergangenes Jahr Hobbyfilmer in Sachsen-Anhalt und bei Duisburg die Ungetüme im Bild festgehalten haben, zweifelt niemand mehr an dem Auftreten schwerer Tornados in Deutschland.

"Wir hatten Glück, dass es keine Todesopfer gegeben hat" , sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD), der jetzt reagiert. Bei einem internationalen Symposium mit Experten aus den USA, Kanada und Deutschland machte sich eine DWD-Expertengruppe Ende Februar 2005 Gedanken, wie die Bevölkerung künftig noch besser vor Tornados gewarnt werden kann. Anschließend stellten die Verantwortlichen ihre Ergebnisse vor.

Der Gilchinger Wissenschaftler Nikolai Dotzek informierte über seine umfangreichen Statistiken zu Tornados in Deutschland, die er seit 1997 in seiner TorDACH -Datenbank führt. Jedes Jahr muss laut Dotzek im Bundesgebiet mit einem so genannten F2-Tornado gerechnet werden, der bereits schwere Schäden anrichtet. Noch verheerender der F3-Tornado, der im vergangenen Jahr in Micheln wütete: Etwa alle drei Jahre, so Dotzek, tritt ein solch schwerer Sturm im Bundesgebiet auf. Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr 20 bis 30 Tornados gezählt.

Der DWD sieht darin offenbar genug Gefahr, um sein Vorwarnsystem jetzt gehörig aufzupeppen. Zurzeit wird an einer speziellen Software getüftelt, mit der potentielle Tornadowolken künftig noch besser unter die Lupe genommen werden können. Deutschlandweit kann der DWD dabei auf 16 Radarstationen zugreifen, mit denen Niederschläge beobachtet werden. Die neue Software soll das System jetzt optimieren: Erkennt das Radar eine Gewitterwolke, die sich in sich dreht, wächst das Risiko von Tornados. Der DWD kann dann die Bevölkerung rechtzeitig vor der so genannten Superzelle warnen. Im Sommer soll 2006 das neue System, das auch bessere Vorhersagen von Gewittern und Hagel zulässt, zum Einsatz kommen.

Unterstützung erhalten die Experten zusätzlich von so genannten Spottern, die mit ihren Autos den Gewitterwolken hinterherfahren, nach Tornados Ausschau halten und gegebenenfalls zum Handy greifen. Rund 70 geschulte Ehrenamtliche engagieren sich dazu bereits in dem Verein Skywarn, der mit dem DWD zusammenarbeitet. DWD-Experte Friedrich freut sich über das große Engagement der Ehrenamtlichen. "Die Meldung ist sofort auf dem Tisch und wir können sie unmittelbar nutzen" - und vielleicht mehrere Menschenleben retten.

Jörg v. Rohland

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